Verordnung (EU) 2024/1689
Der praxisnahe Leitfaden für Online-Unternehmer, Coaches, Agenturen, SaaS-Anbieter und Bildungseinrichtungen. Klärt Rolle, Pflichten und nächste Schritte ohne juristischen Ballast.

Überblick
Der EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) ist das zentrale EU-Gesetz für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Er gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten und erfasst auch dich, sobald du KI-Systeme im EU-Markt einsetzt, anbietest oder vertreibst.
Was er regelt
Risikobasierte Regeln für Entwicklung, Bereitstellung und Nutzung von KI-Systemen in der EU.
Für wen er gilt
Provider, Deployer, Importeure und Distributoren, auch außerhalb der EU, sobald die KI im EU-Markt wirkt.
Wie er wirkt
Vier Risikoklassen, klare Pflichten, gestaffelte Fristen bis 2027.
Schnellcheck
Wähle die Situation, die deinem Alltag am nächsten kommt. Du siehst sofort, in welcher Rolle du wahrscheinlich bist und wo du weiterlesen solltest.
Meist minimales bis begrenztes Risiko. AI Literacy und interne Regeln werden Pflicht.
Begrenztes Risiko: Transparenzpflicht. Nutzer müssen erkennen, dass sie mit KI sprechen.
Du bist Provider. Je nach Anwendung Hochrisiko-Pflichten oder GPAI-Pflichten möglich.
Sensibler Bereich. Häufig Hochrisiko nach Annex III. Genaue Prüfung empfohlen.
Du übernimmst Importeur-Pflichten: Konformität prüfen, Dokumentation sicherstellen.
Distributor-Rolle: Du musst die Konformitätskennzeichnung der Anbieter prüfen.
Rollen
Der AI Act unterscheidet vier Rollen. Deine Pflichten hängen davon ab, was du mit der KI machst, nicht wie groß dein Unternehmen ist.
Wer ein KI-System entwickelt oder unter eigenem Namen in der EU bereitstellt.
Typische Beispiele
Meist zu tun
Achtung: Wenn du ein fremdes KI-System unter deinem Namen anbietest oder wesentlich änderst, wirst du selbst zum Provider.
Wer ein KI-System beruflich einsetzt. Häufigster Fall bei Online-Unternehmern.
Typische Beispiele
Meist zu tun
Achtung: Auch die rein interne Nutzung externer KI-Tools kann Deployer-Pflichten auslösen.
Wer in der EU sitzt und ein KI-System aus einem Drittland in den EU-Markt bringt.
Typische Beispiele
Meist zu tun
Achtung: Importeur-Pflichten greifen auch dann, wenn das Produkt nur über deine Plattform verfügbar ist.
Wer ein KI-System in der Lieferkette bereitstellt, ohne es selbst zu entwickeln oder zu importieren.
Typische Beispiele
Meist zu tun
Achtung: Wenn du das Produkt veränderst oder umbenennst, kannst du zum Provider oder Importeur werden.
Sofortmaßnahmen
Eine schlanke 5-Schritte-Roadmap. Für die meisten kleinen Unternehmen reicht ein halber bis ganzer Arbeitstag, um diese Basis aufzusetzen.
Erstelle eine kurze Liste aller KI-Systeme im Unternehmen: ChatGPT, Midjourney, Chatbots, Analyse-Tools, integrierte KI-Funktionen.
Beispiel: Eine Agentur listet 7 Tools, davon 3 mit Kundenkontakt. Daraus ergibt sich der Prüfumfang.
Pro Tool klären: Bist du Provider, Deployer, Importeur oder Distributor? Mehrfachrollen sind möglich.
Beispiel: Ein Coach ist Deployer für ChatGPT, aber Provider, sobald er einen eigenen GPT mit Branding verkauft.
Prüfe gegen Annex III, ob deine Nutzung in einem sensiblen Bereich liegt (Bildung, HR, Biometrie, Kreditvergabe).
Beispiel: Eine Schule, die KI in der Notenvergabe einsetzt, bewegt sich im Hochrisiko-Bereich.
Chatbots klar kennzeichnen, KI-generierte Bilder und Texte sichtbar markieren, Deepfakes ausweisen.
Beispiel: Ein Service-Chatbot beginnt mit: Hinweis, dass die Antworten von einer KI stammen.
Schule Mitarbeitende und halte schriftlich fest: erlaubte Tools, Datenarten, Freigabewege, Verantwortliche.
Beispiel: Eine kompakte KI-Richtlinie auf zwei Seiten erfüllt die Dokumentationspflicht im KMU-Kontext.
Risikoklassen
Der AI Act bewertet KI nicht pauschal, sondern nach Anwendungsfall. Dieselbe Technologie kann je nach Einsatz in unterschiedliche Stufen fallen.
Unzulässig
Verbotene Praktiken nach Art. 5. Diese KI darf in der EU nicht eingesetzt werden.
In der Praxis: Bei biometrischer Echtzeit-Fernidentifizierung im öffentlichen Raum gelten enge gesetzliche Ausnahmen, vor allem für Strafverfolgung.
Hochrisiko
KI in sensiblen Bereichen nach Annex III oder als Sicherheitskomponente. Strenge Pflichten.
In der Praxis: Bedeutet umfassende Dokumentation, Risikomanagement, Datenqualität und menschliche Aufsicht.
Begrenztes Risiko
KI mit direktem Nutzerkontakt. Transparenzpflichten, keine Zulassungspflicht.
In der Praxis: Klar kennzeichnen, dass Inhalte KI-generiert sind oder dass die Interaktion mit einer KI stattfindet.
Minimales Risiko
Die große Mehrheit der Alltags-KI. Keine spezifischen Pflichten, freiwillige Codes empfohlen.
In der Praxis: Auch hier gilt: AI Literacy aufbauen und interne Regeln definieren.
Warnbereiche
Diese vier Bereiche sind in der Praxis am häufigsten Quelle von Fehleinschätzungen. Eine genauere Prüfung lohnt sich.
KI in Zulassung, Bewertung, Notenvergabe oder Studienplatzvergabe ist in Annex III gelistet. Schulen und Hochschulen sind hier in der Regel Deployer.
Genauer prüfen, Sobald KI über Zugang, Bewertung oder Erfolg von Lernenden mitentscheidet.
Automatisierte Vorauswahl, Lebenslaufanalyse oder Bewertung von Bewerbenden gilt grundsätzlich als Hochrisiko-Anwendung.
Genauer prüfen, Sobald KI Personalentscheidungen vorbereitet oder beeinflusst.
Emotionserkennung am Arbeitsplatz oder in Bildung ist stark eingeschränkt. Biometrische Identifizierung unterliegt engen Ausnahmen.
Genauer prüfen, Sobald biometrische Daten verarbeitet oder Gefühlszustände abgeleitet werden.
Synthetische Inhalte und KI-Chats müssen als solche erkennbar sein. Das gilt auch für Marketing-Visuals und Service-Bots.
Genauer prüfen, Sobald Nutzer den künstlichen Ursprung nicht ohne Weiteres erkennen.
Timeline
Die Pflichten greifen in mehreren Stufen. Plane deine Umsetzung an diesen Daten entlang.
1. August 2024
Die Verordnung (EU) 2024/1689 ist in Kraft. Die schrittweise Anwendbarkeit beginnt.
2. Februar 2025
Art. 1 bis 5 gelten: Definitionen, KI-Kompetenzpflicht (Art. 4) und Verbote (Art. 5).
2. August 2025
Pflichten für Anbieter von Allzweck-KI-Modellen, Governance-Strukturen und Sanktionsrahmen.
2. August 2026
Die meisten Pflichten der Verordnung werden voll wirksam, insbesondere für Hochrisiko-Systeme nach Annex III.
2. August 2027
Reststufen, insbesondere für Hochrisiko-KI als Sicherheitskomponente regulierter Produkte.
Pflichten
Orientierung statt juristische Vollständigkeit. Suche dir die Gruppe heraus, die deinem Alltag am nächsten kommt.
Häufige Pflichten
Worauf achten
Meist kein Thema
Häufige Pflichten
Worauf achten
Meist kein Thema
Häufige Pflichten
Worauf achten
Meist kein Thema
Häufige Pflichten
Worauf achten
Meist kein Thema
FAQ
Kurze Antworten auf die Fragen, die uns am häufigsten begegnen.
Ja, als Deployer. Du musst keine Konformität bewerten, aber AI Literacy aufbauen, interne Regeln definieren und gegebenenfalls Transparenz gegenüber Kunden sicherstellen.
Bei direktem Nutzerkontakt und bei Deepfakes oder klar synthetischen Medien ja. Bei rein internem Einsatz ohne Außenwirkung in der Regel nicht.
Wer KI beruflich einsetzt, ist Deployer. Wer ein KI-System entwickelt, unter eigenem Namen anbietet oder wesentlich verändert, wird Provider, mit deutlich höheren Pflichten.
Ja, sobald sie KI im Geschäftsbetrieb einsetzen. Meist als Deployer, mit überschaubaren Pflichten rund um AI Literacy, Transparenz und interne Regeln.
Ein angemessenes Maß an KI-Kompetenz im Team: Was kann die KI, was nicht, welche Risiken gibt es, welche Regeln gelten intern. Schulungen und eine kurze Richtlinie reichen meist aus.
Nein. Hochrisiko wird es dort, wo KI Zugang, Bewertung oder Erfolg von Lernenden mit beeinflusst. Reine Hilfsanwendungen ohne Entscheidungswirkung sind meist nicht Hochrisiko.
Ja. Art. 4 (AI Literacy) gilt seit dem 2. Februar 2025 und verpflichtet zu einem angemessenen Kompetenzaufbau aller Personen, die KI im Auftrag des Unternehmens nutzen.
Quiz
Freiwilliger Selbstcheck. Nach dem Absenden bekommst du zu jeder Antwort eine kurze Erklärung.
Frage 1 von 8
Frage 2 von 8
Frage 3 von 8
Frage 4 von 8
Frage 5 von 8
Frage 6 von 8
Frage 7 von 8
Frage 8 von 8
Quellen und Hinweis
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Offizielle Quellen
Rechtlicher Hinweis
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